So funktioniert der Katalysator-Betrug

Dr. Alfred Wenzel am 01 Januar, 2014

Wie kann es sein, dass ein Katalysator als EURO3 oder EURO4 verkauft wird, obwohl gar nicht EURO3 oder EURO4 drin ist? Es gibt doch eine regelmäßige AU (Abgasunter-suchung). Und seit 2001 sind alle Benzin-Pkws mit einem OBD-System ausgestattet, das Fehlfunktionen des Katalysators im Speicher des Bordcomputers festhält und mit der Motorkontrollleuchte am Armaturenbrett anzeigt.

Da muss es doch auffallen, wenn ein Katalysator nicht die Anforderungen erfüllt!

Warum das nicht so ist, weiß heute kaum ein Experte. Wir dokumentieren deshalb hier, wie und mit welch hoher krimineller Energie der Betrug seit Jahren erfolgreich funktioniert:

Weil die meisten derzeit verkauften Austausch-Katalysatoren die EURO4-Abgasnorm erfüllen müssen, nehmen wir als Beispiel EURO4. Diesen Abgasstandard muss jedes seit dem 01.01.2006 im Europa neu zugelassene Fahrzeug erfüllen. Alle EURO4-Fahrzeuge haben überdies ein OBD-System.

Voraussetzung für die Erteilung der Betriebserlaubnis eines Katalysators (z.B. durch das Kraftfahrbundesamt) ist, dass der Katalysator umfangreiche Messungen auf einem millionenteuren Prüfstand (z.B. beim TÜV) durchläuft. Dabei dürfen vorgegebene Grenzwerte für Kohlenmonoxid, für Stickstoff-Verbindungen und für Kohlenwasserstoffe nicht überschritten werden.

Wenn man im normalen Fahrbetrieb feststellen will, ob der Katalysator noch richtig arbeitet, also noch die EURO4-Norm erfüllt, dann bräuchte man im Fahrzeug ebenfalls einen millionenteuren mitfahrenden Prüfstand. Das geht natürlich nicht.

Deshalb behilft man sich mit zwei einfachen und billigen sogenannten Lambda-Sonden. Die messen aber nur den Sauerstoffgehalt des Abgases vor und nach dem Katalysator. Daraus schließt man dann auf den Abgasanteil von Kohlenmonoxid, Stickstoff-Verbindungen und Kohlenwasserstoffen.

Dieses Verfahren ist natürlich viel ungenauer als ein leistungsfähiger Prüfstand. Um zu verhindern, dass man durch häufige Fehlalarme der Motorkontrollleuchte grundlos ständig in die Werkstatt geschickt wird, hat man OBD-Schwellwerte für EURO4 festgelegt. Diese sind  viermal so hoch wie die EURO4-Grenzwerte (siehe Tabelle).

Das bedeutet: Selbst wenn knapp viermal so viel Schadstoffe emittiert werden wie nach EURO4 erlaubt sind, dann gibt es immer noch keinen Eintrag im OBD-Speicher des Bordcomputers und die Motorkontrollleuchte leuchtet nicht auf. M.a.W.: Selbst wenn der Katalysator knapp viermal so viel Schadstoffe emittiert, wie erlaubt, merkt's niemand.

Und die Abgasuntersuchung? Da müsste man's doch merken! Weit gefehlt! Denn seit dem 01.01.2006 gilt die AU als bestanden, wenn kein OBD-Eintrag im Speicher des Bordcomputers gefunden wird. Bei der AU wird also gar nicht mehr gemessen, sondern nur mehr nach dem OBD-Eintrag geschaut.

Die Sache ist also wasserdicht.

Merke: Wenn der Katalysator so beschichtet ist, dass er ein Bisschen weniger als das Vierfache der zulässigen EURO4-Grenzwerte emittiert, dann merkt das niemand.

Die LRT hat eine solchen Katalysator beim TÜV Süd messen lassen. Das Messfahrzeug war ein BMW 316i touring. Das Ergebnis ist in der folgenden Tabelle dargestellt. Das Original-Messprotokoll ist unten angefügt.

 

EURO4-

OBD-

BMW-

 

Grenzwert

Schwellwert

Messwert

  [gr/km] [gr/km] [gr/km]

CO

1,00 3,20 2,80

HC

0,10 0,40 0,38

NOx

0,08 0,60 0,36

Man sieht sofort, dass die BMW-Messwerte nicht unterhalb der EURO4-Grenzwerte in Spalte 1 liegen, sondern knapp unterhalb der viermal so hohen OBD-Schwellwerte in Spalte 2.

Zufall? Natürlich nicht! Mit großer krimineller Energie werden Katalysatoren nicht so beschichtet, wie es die EURO4-Norm verlangt, sondern so, dass man eben gerade nichts merkt. Dadurch erreicht man gewaltige Einsparungen bei den teuersten Bestandteilen eines Katalysators, den Edelmetallen Platin, Palladium und Rhodium sowie von Seltenen Erden. Die Herstellkosten sinken auf ein Drittel bis ein Viertel eines seriösen Katalysators.

Der Autofahrer bezahlt aber in der Werkstatt meist einen Preis nahe dem Preis des Originalteils. Dadurch entsteht eine gewaltige Marge, mit der sich einige Unternehmen seit Jahren eine Goldene Nase verdienen - zu Lasten der wenigen seriösen Hersteller, zu Lasten der Umwelt und zu Lasten der Verbraucher. Hergestellt wird meist im europäischen Ausland. Vertrieben wird in Deutschland von großen und namhaften Anbietern als deren Eigenmarke. Dadurch wird dem Betrug ein zusätzlicher Anschein von Seriosität verleihen.